Hallo Politik, liebe Koalition,
sagen Sie, können Sie das selbst noch hören, lesen, was Sie in Sachen „länger Arbeiten“ und „Aufheben der Hacklerreglung“ zum Besten geben?
Wie soll denn das passieren, möchte ich Sie fragen: Die Sehnsucht der Unternehmen, ältere Mitarbeiter vorzeitig anzubringen, ist ungebrochen. Ja, Sie haben vieles versucht es zu unterbinden, Anreize geschaffen, Förderungen, Projekte, aber…vollkommen fruchtlos, wie Sie sich wahrscheinlich selbst, im engeren Rahmen, wo Sie nicht einmal die Hand für harte Wahrheiten vorhalten müssen, eingestehen werden.
Ich halte Ihnen nicht vor, dass es das Problem gibt, nur, dass Sie als de facto „Schuldige“ die ArbeitnehmerInnen sehen, die früher in Pension gehen, das ist nicht in Ordnung. Diese Leute gehen in Pension, weil sie nicht mehr benötigt werden und/oder zu teuer sind, wenn es gut geht mit einem „Golden Handshake“, oder dann billiger, mit Mobbing.
Und Sie wissen wahrscheinlich genau so gut wie ich, dass ältere ArbeitnehmerInnen – seien wir tolerant und sagen wir „erst mit 55 Jahren“ (in Wahrheit in vielen Brachen und Ebenen schon viel früher) keinen Job mehr finden. Nehmen wir einmal die McJobs heraus und die hilflosen Versuche in eine rettende Selbständigkeit etc..
Das heißt für mich: Wenn Sie die Hacklerreglung aufheben, dann bringen Sie die Leute in die Altersarbeitslosigkeit.
„Altersarbeitslosigkeit“: Sagt Ihnen das was, wissen Sie, was das heißt, diese neue Form der Arbeitslosigkeit? Es betrifft zumeist kompetente Mitarbeiter, die über Jahrzehnte beste Arbeit geleistet haben, auch mit hoher Qualifikation, die trotzdem keinen Job mehr bekommen, die sich jahrelang in dieser entwürdigenden Situation befinden, als Notlösung vielleicht eine Invaliditäts- oder Berufsunfähigkeitspension sehen – mangels an Alternativen – auch noch zumindest „üben“ wenigstens legitim krank zu werden, um aus dieser entwürdigenden Situation zu entkommen. Und das betrifft eben Zigtausende, da brauchen Sie nicht auf die Statistik für Langzeitsarbeitslose zu schauen, die finden Sie dort nicht, weil die Betroffenen – immer zu rechten Zeit – einen Kurs konsumieren müssen – der die Arbeitslosigkeit wieder unterbricht. So finden Sie die Altersarbeitslosen über Jahre ohne Job, ohne das sie „langzeitarbeitslos“ genannte werden. Ist das nicht kurios?
Und wenn Sie des Öfteren davon sprechen, das es Ihnen in erster Linie um die „Leistungsträger“ geht, dann frage ich Sie, ob diese erfahrenen ArbeitnehmerInnen nicht lange genug Leistung gezeigt haben und dann, bei Problemen am Arbeitsmarkt, flugs als solche vergessen werden. Wieder ein brandneues Zeichen unserer Wegwerfgesellschaft, die so mit Ressourcen umgeht. Aus den Augen, aus dem Sinn. Es ist weder ökonomisch noch christlich, was da passiert, das wissen Sie aber sicher selbst.
Mir geht es aber – vielleicht so gar in erster Linie – um die Jugend, die sie jetzt zu den „Leistungsträgern“ erkoren haben, die „jungen Löwinnen und Löwen“, wie sie manchmal genannt werden, die billig, willig und flexibler sind, auch die Erfahrung mitbringen sollten – die sie natürlich noch nicht haben können und… die wir so sehr schnell verheizen werden.
Ja, ich weiß, es gibt keine Lösung, keine Win-win Situation. Sie wollen es sich auch nicht mit der Wirtschaft verscherzen, den wahren Mächtigen im Lande, vielleicht, als Redakteur, müssen Sie um Anzeigen bangen bzw. Ihr Vorgesetzter sieht das nicht gern, ich weiß…
Aber offen darüber zu reden, das wäre schon einmal ein Anfang. Zuviel Courage kann man sich heute nicht mehr leisten, ich weiß.
Oder doch?
Noch immer in guter Hoffnung.
Roman Valent
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